Mühlberg und die bildlichen Folgen

Datum/Zeit
23.11.2021
19:30–21:30

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Referentin: Dr. Insa Christiane Hennen

Tizians Reiterbildnis Karls V. nach der Schlacht bei Mühlberg ist eines der bekanntesten und berühmtesten Bilder der europäischen Kunstgeschichte. Das heute im Prado in Madrid ausgestellte Werk entstand 1548 während des Geharnischten Reichstags. Tizian, der mit mehreren Gehilfen aus Venedig nach Augsburg anreiste, schuf dort noch etliche andere Porträts, darunter ein Bildnis Johann Friedrichs von Sachsen, des Verlierers der Schlacht bei Mühlberg. Der Ernestiner befand sich seitdem in kaiserlicher Gefangenschaft.

Die Wittenberger Kunsthistorikerin Dr. Insa Christiane Hennen stellt beide Bilder in den größeren Kontext der Beziehungen zwischen Kaiser Karl V. und Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen bzw. zwischen den Habsburgern und Ernestinern, die sich im Laufe von mehr als fünfzig Jahren zum Schlechten entwickelten, bis der Konflikt zwischen dem katholischen Kaiser und dem Anführer des Schmalkaldischen Bundes 1546/47 eskalierte. Die katholischen belagerten Wittenberg, die Stadt musste kapitulieren, um fremder Besatzung und Plünderung zu entgehen. Das Schicksal der Leucorea hing am seidenen Faden. Am 4. Juni 1547 ließ Karl V. in der Nähe des kurfürstlichen Hofgestütes Bleesern Moritz von Sachsen aus der albertinischen Linie der Wettiner zum neuen Kurfürsten ausrufen. Die Ernestiner verloren den größten Teil ihres Territoriums.

Die Vorgeschichte der Ereignisse von 1547 lässt sich an einer ganzen Reihe von Gemälden und Holzschnitten nachvollziehen, so wie es lohnt, die großen Bauvorhaben der Kontrahenten vergleichend in den Blick zu nehmen. Dabei wird deutlich, dass die Protagonisten über die Kunstprojekte der jeweiligen Gegenseite gut Bescheid wussten und vieles aus eigener Anschauung kannten.
Beim gleichfalls in Augsburg abgehaltenen Reichstag von 1550/51 begegneten sich auch Cranach d. Ä. und Tizian.

Der Eintritt zu dieser Veranstaltung, zu der herzlich eingeladen wird, ist frei.
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