Hebräisch ist eine der ältesten Sprachen der Welt: Bis heute wird sie gesprochen und ist offizielle Sprache im Staat Israel, doch ihre ältesten Texte wurden schon vor 3000 Jahren geschrieben, im 11./10. Jh. v. Chr. Die von der Leucorea getragene Forschungsstelle Hebraistik arbeitet in verschiedenen Projekten an der Erforschung der hebräischen Literatur und Sprache aus diesem gesamten Zeitraum, wobei Gelehrte verschiedener Disziplinen beteiligt sind.
Sie führen damit eine Tradition weiter, die an der Leucorea seit ihrer Gründung im 16. Jh. beheimatet ist und entscheidend zum internationalen Namen der Wittenberger Universität beigetragen hat, denn im Jahre 1518 wurde hier der erste Lehrstuhl für Hebräisch in Deutschland überhaupt begründet und kam durch seine außergewöhnlich hervorragenden und berühmten Inhaber zu großer Blüte. Zudem trug die Wittenberger Hebraistik, im Verein mit Gelehrten anderer Universitäten aus dem heutigen Mitteldeutschland (v.a. Erfurt, Leipzig, Jena und Halle) entscheidend zur Gründung und Herausbildung weiterer orientalistischer Fächer bei, v.a. der Aramaistik, der Arabistik und der Äthiopistik.
Wissenschaftliche Schwerpunkte der Hebraistik-Forschung
Aktuelle Projekte:
Den Zohar predigen – das Homilien-Genre Haqdamot des Rabbi Moses Zacuto (1610-97) in hybrider Edition mit Kommentar zum zeitgeschichtlichen Hintergrund seit 2025
Ein neu entdecktes Werk des Kabbalisten Moses Zacuto gibt Einblick in die Predigtpraxis Norditaliens nach der sabbatianischen Krise. Diese von Zacuto als Haqdamot („Einleitungen“) bezeichneten Texte stellen ein eigenes Genre dar: sie beinhalten Vortragsskizzen zu verschiedenen Themen, strukturiert nach dem Sefer ha-Zohar, dem Hauptwerk der Kabbala. Zacuto hielt als Oberrabbiner von Mantua zwischen 1678 und 1696 populäre Predigten nach den wöchentlichen Tora-Lesungen sowie an Feiertagen. Anders als seine komplexen esoterischen Zohar-Kommentare behandeln die Haqdamot halachische, philosophische und ethische Themen, die einer breiteren Öffentlichkeit verständlich waren. Das Projekt ediert und kommentiert die Haqdamot auf Basis der erhaltenen Handschriften in digitaler und gedruckter Form.
Jewish Preaching and Popularizing the Zohar in Times of Crisis: An Edition and Commentary of R. Moses Zacuto's Haqdamot
A newly discovered work by the kabbalist Moses Zacuto (ca. 1610–1697) offers insight into Jewish preaching in Northern Italy after the Sabbatean crisis. Zacuto refers to these texts, which are structured as lecture outlines based on Sefer ha-Zohar, the central medieval kabbalistic work, as Haqdamot (“Introductions”). Between 1678 and 1696, he delivered these popular sermons in his capacity as chief rabbi of Mantua, following the weekly Torah readings and on holidays. Drawing on specific Zohar passages, Zacuto addresses general halakhic, philosophical, and ethical themes. This project will edit, analyze, and comment on the Haqdamot for the first time, based on the surviving manuscripts, in both digital and printed formats.
Projektleiter: apl. Prof. Dr. Gerold Necker (MLU Halle-Wittenberg)