Forschungsstelle Septuaginta

Die "Septuaginta" bezeichnet die griechische Übersetzung des Alten Testaments und ist eine vielgestaltige Größe. Ihr Name leitet sich von den legendarischen 72 Übersetzern ab, die sie der Überlieferung nach aus dem Hebräischen (selbstverständlich fehlerfrei) übersetzt hätten.

Die Septuaginta ist aber mehr als eine alte Bibelübersetzung. Denn schon der Vergleich des hebräisch-masoretischen Textes mit dem Text der Septuaginta zeigt, dass es sich nicht einfach um eine Übersetzung der heute im Kanon der hebräischen Bibelausgaben enthaltenen Schriften handelt. Zahlreiche Unterschiede und ein Vergleich mit den hebräischen Texten aus Qumran machen deutlich, dass sie teils einen "eingefrorenen" Stand der Entwicklung der hebräischen biblischen Bücher in griechischer Sprache repräsentiert, teils aber auch eine eigene Weiterentwicklung genommen hat. Insgesamt zeigt sich ein vielfältiges Beziehungsgefüge der hebräischen und griechischen, aber auch der griechischen Texte untereinander, sodass sich die Septuaginta als ein eindrücklicher Beleg für das anhaltende Arbeiten an den biblischen Texten mit unterschiedlichen theologischen Perspektiven erweist. All dies macht die Septuaginta zu einer wichtigen Zeugin für die Textentwicklung des Alten Testaments sowohl in hebräischer als auch in griechischer Sprache.
Darüber hinaus umfasst die Septuaginta aber noch weitere jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer Zeit, die keinen Eingang in den hebräischen Kanon gefunden haben. Diese sind teils auf Hebräisch verfasst worden, wurden dann aber nur noch in Griechisch überliefert, oder sie sind direkt in griechischer Sprache, der "internationalen" Kultursprache der Zeit, geschrieben worden.
Die Septuaginta ist also sowohl ein Zeugnis für die Entwicklung der Texte des Alten Testaments als auch ein Spiegel jüdischer Theologiegeschichte in vorchristlicher Zeit. Damit ist sie ein bedeutendes Forschungsfeld alttestamentlicher, neutestamentlicher, judaistischer, altkirchlicher, klassisch-philologischer und theologiegeschichtlicher Wissenschaft.

Das Ziel der Forschungsstelle Septuaginta ist, diese Forschung durch eigene Projekte sowie durch Tagungen zu stärken.

Durch die Verankerung an der Stiftung LEUCOREA werden gemeinsam mit der Forschungsstelle Hebraistik zwei zentrale Aspekte des reformatorischen Erbes der Wittenberger Universität aufgegriffen und weiter profiliert: die Konzentration auf die Bibel und ihre Auslegung sowie die Bedeutung der biblischen Sprachen. Zugleich wird der Schwerpunkt der Ostkirchenkunde an der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg aufgenommen, denn die Bedeutung der Septuaginta ist nicht nur historisch zu sehen, sondern reicht bis in die Gegenwart, bildet sie doch den Kanon des Alten Testaments in den orthodoxen Kirchen, sodass jedes bibelwissenschaftliche Gespräch mit der Orthodoxie in ihr seine Grundlage hat.

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Leiter der Forschungsstelle:
Prof. Dr. Frank Ueberschaer
frank.ueberschaer@theologie.uni-halle.de

Wegen der aktuellen Pandemie-Situation muss die für den 24.–27. Juli 2020 in Wuppertal geplante LXX-Konferenz um ein Jahr auf den 18.–21. Juli 2021 (Sonntag bis Mittwoch) verschoben werden. Wir freuen uns auf die Begegnung im kommenden Jahr in Wuppertal!